Storytelling Brand Photographer Nadine Wilmanns in a coffee shop in London

Text und Fotografie: Nadine Wilmanns

Wie mich der Wunsch nach mehr Leben zu Storytelling Fotografie geführt hat

„Fernsehen ist nicht das echte Leben. Im echten Leben müssen die Leute das Café tatsächlich verlassen und zur Arbeit gehen.“

(Bill Gates)

Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der ich so sehr den Drang hatte, vor der Arbeit in ein Café zu gehen, nur um das Gefühl zu haben, dass der Tag mir gehört. Cafés wurden für mich zu Orten voller Möglichkeiten, an denen ich voll von Hoffnung war, dass hinter der nächsten Ecke etwas auf mich warten könnte.

Nur für eine Stunde, vielleicht auch weniger, saß ich im Café, hab gelesen, machte Notizen und hab natürlich fotografiert – und fühlte mich für eine Zeitlang wie eine Storytelling Fotografin. Ich wählte Cafés ganz klar nach ihrem Aussehen aus und nicht unbedingt nach dem Kaffee. Und natürlich gab es in Shoreditch im Osten von London sehr viele hübsche Orte zum Kaffeetrinken.

Näher am Leben

Nach spätestens einer Stunde musste ich mich meist auf den Weg zu meinem Arbeitsplatz machen. Ich hab damals in der Modebranche gearbeitet, bei einem kleinen Zulieferer im Osten von London, und leider habe ich ziemlich schnell immer weniger Sinn in meiner Arbeit gesehen.

Mein damaliger Arbeitgeber stand der Ausbeutung, auf der Fast Fashion basiert, relativ gleichgültig gegenüber. Und je mehr ich über die Fast-Fashion-Industrie las, hörte und sah, desto mehr wurde mir bewusst, dass ich dazu nicht beitragen wollte.

Vor allem wollte ich einfach das Gefühl haben, wirklich zu leben – präsent, verbunden, selbstbestimmt. Ich sehnte mich danach, näher am Leben dran zu sein.

Gottes Timing

Als ich in dem Modebetrieb angefangen habe, mochte ich mein Team sehr, und unsere Gespräche waren wertvoll und auch lustig; bis heute möchte ich keinen einzigen Tag vermissen, den ich damals mit meinen vier Teamkolleginnen verbracht habe, denn ihr Glaube hat mir so weitergeholfen. Das zeigt einfach, wie Gott sehr unvollkommene und wenig optimale Situationen zu seinem Guten nutzt. Für mich war es ein riesen Segen, dass wir vier zur gleichen Zeit dort waren. Doch bald zerfiel das Team – einer nach dem anderen hörte auf, dort zu arbeiten, wurde durch andere ersetzt, und bald wurde der Sinn dieses Jobs immer kleiner.

Storytelling

Auf der Suche nach neuen Möglichkeiten begann ich nebenbei Journalismus zu studieren und besuchte einen Fotokurs in London, während ich erstmal weiter in dem Modebetrieb arbeitete. Schon während meines Modestudiums hab ich an den Wochenenden für eine Lokalzeitung gearbeitet. Geschichtenerzählen ist etwas, was ich „schon immer“ machen wollte und auch immer auf unprofessionelle Art und Weise gemacht hab, sei es beim Schreiben, beim Zeichnen oder Fotografieren. Und Geschichten sind schließlich das, was unser Leben ausmacht; sie sind das Greifbarste, was nach einem vergangenen Tag übrig bleibt.

Nichts ist näher am Leben dran als eine Geschichte. Jesus hat in Geschichten gepredigt, wir lernen aus Geschichten, wir hören zu, wenn eine gute Geschichte erzählt wird, wir lieben es, eine gute Geschichte zu lesen, und wir möchten auch unsere eigene erzählen. Durch Geschichten entstehen Verbindung und Komminikation. Storytelling-Fotografie ist für mich mehr als ein Marketinginstrument, sondern auch ein Werkzeug, um mit dem Leben und anderen in Verbindung zu sein.

Nicht aufgeben

Der Fotojournalismus schien mir eine gute Möglichkeit zu sein, auch in London meinen Lebensunterhalt zu verdienen und gleichzeitig etwas zu tun, das mir etwas bedeutete. Es ergab sich eine Chance bei einer Zeitschrift in Deutschland, die ich voller Hoffnung ergriff. Auch wenn sich das aus verschiedenen Gründen nicht als besonders wunderbar erwies, war es dennoch ein wichtiges und nützliches Sprungbrett für weitere Möglichkeiten. Weitere Türen öffneten sich, manche schlossen sich wieder, und wieder andere öffneten sich, und so weiter.

Ich erinnere mich an ein YouTube-Video, in dem ein Fotograf – ich weiß nicht mehr, wer es war – sagte: Von allen, die Fotografie studiert haben, arbeitet nur eine winzige Minderheit tatsächlich als Fotografen, und der entscheidende Unterschied zwischen denen, die es geschafft haben, und denen, die es nicht geschafft haben, ist: Diejenigen, die ihren Lebensunterhalt mit Fotografie verdienen, haben sich einfach geweigert, jemals aufzugeben. Das war ein entscheidender Ratschlag: Endlich hatte ich etwas, an dem ich festhalten konnte, und so nahm ich mir vor, ganz einfach niemals aufzugeben.

Branding- und Business-Fotograf

Ich arbeite mittlerweile hauptberuflich als Fotografin für Branding- und Geschäftskunden in ganz London und darüber hinaus, sowie in Süddeutschland, und habe mein Leistungsportfolio um Videoproduktionen erweitert. Als Storytelling-Fotografin fühle ich mich endlich nah am Leben und mit offenen Augen, und genau das ist der Grund, warum ich diese Arbeit so liebe. Wenn etwas Emotionales geschieht, ist mein erster Impuls, ein Foto zu machen.

Wer bist du?

Gerade die Branding-Fotografie und das Business-Storytelling stellen genau die Fragen, die ich am spannendsten finde: Wer bist du eigentlich, welchen Beitrag möchtest du auf dieser Welt leisten und wie zeigst du das auf authentische Weise? Ich habe im Frühjahr noch ein paar Termine frei – wenn du über Fotos oder Videos für dein Business nachgedacht hast, würde ich mich freuen, von dir zu hören..

Tatsächlich arbeite ich kaum noch in Cafés, nur wenn ich zwischen Terminen Zeit habe, denn natürlich gibt es dort Ablenkungen und ich arbeite dort einfach nicht besonders schnell. Trotzdem denke ich, dass ich das wieder mehr in meine Arbeitswoche einbauen möchte. Schließlich macht es mich glücklich, wenn ich meine Zeit sowohl sinnvoll als auch in einer schönen Café-Umgebung verbringe. Und es gibt mir das Gefühl, dass der Tag mir gehört.


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