on photography

Über die Fotografie:

Die Fotografie schafft das Unmögliche, wenn auch mit Kompromissen: den Augenblick festzuhalten und die Zeit für einen kurzen Moment still stehen zu lassen. Die Flüchtigkeit, die war der Zeit ihre Bedeutung gibt, aber manchmal schwer auszuhalten ist, wird ein kleines bisschen aufgehoben.

Der Fotograf und Autor Chris Orwig, der in jungen Jahren nach einem Unfall große Schmerzen hatte, schreibt in seinem Buch ,The creative fight” (frei übersetzt): ,,Ich entdeckte, dass die Kamera ein magisches Instrument ist. Wenn ich sie vor mein Auge hielt, wurde die Welt still und mein Schmerz war wie ausgeblendet. (…) Nicht länger auf mich selbst fokussiert, sah ich die Welt mit neuen Augen. Was einst trübselig war, wurde himmlisch. Die Kamera hat mein Zeitverständnis verändert und die Art wie ich die Welt erlebte.”

Durch den Sucher der Kamera wird unser Blick klarer und die Reizflut wird gefiltert. Wir konzentrieren uns ganz auf das, was vor unserer Kamera ist. Wir sind dazu aufgefordert stehen zu bleiben, ruhig zu werden und uns ganz auf das einzulassen, was wir sehen. Dadurch, dass unsere Aufmerksamkeit ganz auf den Augenblick gerichtet ist, steht die Welt einen Moment lang still.

Der Fotograf kann entscheiden, auf was er fokussieren wird.

Der Fotograf entscheidet was im Bildausschnitt ist und was nicht. Ist es ein optimistisches Bild? Vermittelt es Traurigkeit oder Melancholie? Hat es Humor? Will es dem Betrachter etwas sagen, und was? Der Fotograf kann den Moment in seiner Fotografie gestalten, verschönern, verdüstern. Es kann ihm ein Gefühl von Sicherheit geben, denn was immer auch passiert, er kann Beobachter sein. Er kann einen Schritt zurück treten und von außen auf die Situation schauen.

Auch ist er Umständen und Geschehnissen nicht mehr ausgeliefert und ist nicht mehr (nur) Betroffener sondern ist (auch) zum Gestalter geworden. Sicherlich oft nur zu einem bestimmten Grad, denn Situationen sind nun einmal wie sie sind, aber die Sicht auf die Dinge kann sich verändern. Und schon ein kleines Gefühl von Kontrolle kann eine Dynamik von Selbstbestimmtheit und Handlungsfähigkeit ins Rollen bringen. Der Fotograf kann entscheiden, auf was er fokussieren wird. Zumindest das hat er in der Hand. Er kann nach den bittersüßen Nuancen Ausschau halten, die in jeder bitteren Lage versteckt sind.

,,Die Welt ist in letzter Zeit voll von Unsicherheit; dies sind besorgniserregende Zeiten”, schreibt Maile Wilson (frei übersetzt) in ihrem Buch ,Expressive Photography’. ,,Aber sie sind auch ein Segen, denn sie stupsen uns dazu an, Dinge zu finden (die normalerweise keine Dinge sind), derer wir uns sicher sind, und darauf zu fokussieren.”

Es sind die Details, die einen alltäglichen Moment besonders machen.

Wer die Fotografie für sich entdeckt, kann sich einen Schatz schaffen, aus dem man in vielen Situationen ein Glücksgefühl herausfischen kann. Auch ohne Kamera beginnt man Sachen zu bemerken, auf die gewöhnlich nicht weiter Acht gegeben wird. Es sind die Details, die einen alltäglichen Moment besonders und lebendig machen – den Glanz von Haaren im Gegenlicht  oder die kunstvollen Schatten, die eine Pflanze im Sonnenlicht auf die Haut wirft. Solche Dinge zu entdecken, lässt den Alltag lebendiger werden.

“Anstatt die Zeit als Belastung zu empfinden, hat mir die Kamera geholfen, sie zu schätzen.”

Um bessere Fotos zu machen, müssen wir lernen langsamer zu werden und ruhiger. Das ist für uns, die wir ständig gehetzt sind und die wir uns ständig unter Druck fühlen, gar nicht einfach und daher eine gute Übung. Chris Orwig sagt dazu (frei übersetzt): ,,Anstatt die Zeit als Belastung zu empfinden, hat mir die Kamera geholfen, sie zu schätzen – jeweils einen einzelnen kleinen Zeitabschnitt nach dem anderen. Ich entdeckte in diesen Zeitstückchen neue Welten und versteckte Wahrheiten, die ich vorher nicht gesehen habe.”

Für mich geht es in der Fotografie gar nicht in erster Linie darum, anderen tolle Bilder zu präsentieren. Fotografieren bedeutet für mich vielmehr, für sich selbst die Zeit anzuhalten und zu reflektieren, aufmerksamer und in der Konsequenz lebendiger zu werden.

light paw dog feet Nadine Wilmanns

On Photography:

Photography manages the impossible, if only to some extent: it makes moments last and freezes the time for a few seconds. The evanescence, which is the essence of time and which is sometimes hard to get to terms with, is being somewhat overcome.

Photographer and author Chris Orwig, who after an accident as a young man was in permanent pain, writes in his book ‘The creative fight’: ,,I discovered that the camera is a magical device. When I held it up to my eye the world became quiet and it blocked out my pain. (…) No longer focussing on myself, I saw the world with fresh eyes. What was once dismal became divine. The camera changed the way I experienced the world and shifted how I understood time.”

Looking through the viewfinder of our camera our view becomes clearer and the overload of stuff that enters our vision is being filtered. Concentrating on what is in front of our camera we are invited to stand still, to become calm and quiet and to embark on what we see. Because we are riveting entirely on the moment, the world kind of stands still for a second.

The photographer can modify, brighten up, darken or dramatizing the moment in the way he captures his picture.

It is the photographers’ decision what is in the frame and what is not. Is it going to be a picture full of optimism? Does it convey sadness or melancholy? Is it humorous? Does it entail a message for its viewer and if so what message would that be? The photographer can modify, brighten up, darken or dramatizing the moment in the way he captures his picture.

It may give him a feeling of security, because what ever happens, he can be an observer. He can take a step back and watch from the sideline and from a different perspective.  Plus he isn’t at the mercy of circumstances and occurrences any more – he is no longer bound to just endure what’s happening but he can take creative decisions. Surely he is limited – situations are the way they are. But already the slight feeling of control can get going dynamics of autonomy and capacity to act. The photographer may decide on what he wants to set his focus. He can be on the look-out for the bittersweet nuances every bitter moment holds.

,,The world lately has been filled with so much uncertainty; these are concerning times”, writes Maile Wilson in her book ‘Expressive Photography’. ,,But they’re also a blessing because they nudge us to find and focus on the things (which are usually not things) that we are certain about.”

It`s the details that make an everyday moment special.

Who explores photography, can create a source of happiness for himself in many situations. Even without the camera at hand, one starts to notice things, that would otherwise remain unnoticed. It’s the details that make an everyday moment special and vibrant – the shimmer on hair against the light or the artistic shadows thrown on the skin by a plant in sunlight. Noticing these things makes the daily routine more vivid.

“Rather than feeling burdened by time, the camera helped me appreciate it one small slice at a time.”

In order to become better photographers, we have to learn to slow down and become calmer. For those of us (me for example), who feel like being constantly in a hurry and under pressure, that’s not an easy thing to do and therefore a good exercise. Chris Orwig says: ,,Rather than feeling burdened by time, the camera helped me appreciate it one small slice at a time. I discovered within these slices new worlds and hidden truths that previously went unseen.”

For me, photography isn’t primarily about presenting great pictures to others, but it’s first of all stopping time for oneself and reflect on it, becoming more attentive and mindful and consequently more alive.

Nadine Wilmanns Porto rocks seaside