Interview und Fotografie von Nadine Wilmanns
Welcher Ratschlag war für dein Business entscheidend?
Während der vergangenen drei Monate habe ich elf Leuten aus meinem Netzwerk eine Frage gestellt: Welcher Ratschlag war entscheidend für dein Business?
Ich habe Architekten, Coaches, Designer, Berater, Baufinanzierungsberater gefragt; Menschen, die seit Jahren an ihrem Business arbeiten.
Als Fotografin und Videografin liebe ich Ratschläge– Bücher, Gespräche, einen Podcast, den ich mir auf dem Weg zu einem Fotoshooting über meine Kopfhörer anhöre. Ehrlich gesagt hätte ich mein Fotografie-Geschäft ohne einige der Dinge, die ich auf meinem Weg gehört habe, n icht aufbauen können. Als ich also begann, den Menschen in meinem Netzwerk diese eine Frage zu stellen, war ich wirklich neugierig, was dabei herauskommen würde...
Für jeden anders
Was ich nicht erwartet hatte, fiel mir erst nach etwa drei oder vier Gesprächen – und einigen ausgezeichneten Kaffees – auf: Keine einzige Antwort kam doppelt. Und auch drei Monate später hat es immer noch keine Wiederholungen gegeben. Die Antworten waren nicht einmal ähnlich. Wie bemerkenswert.
Das zeigt mal wieder, dass es keine Einheitsweisheit gibt: Was als bahnbrechend und einprägsam empfunden wird, ist ganz individuell und persönlich – und genau das macht diese Antworten lesenswert.
Hier sind die elf Antworten aus meinem Netzwerk:
"Selektiere, was für dich funktioniert."
Chris Boyle, London
Chris Boyle, Architekt - Archanaeum
Kurz nach der Gründung seines Unternehmens erhielt Chris einen wertvollen Rat von einem Bauträger, der schon lange vor ihm in der Branche tätig war: „Du wirst viele widersprüchliche Ratschläge bekommen – Leute, die dir sagen, was du tun und was du nicht tun sollst. Hör nicht auf jeden, sonst überfordert dich das alles. Filtere heraus, was für dich funktioniert. Verlasse dich nicht blind auf die Ratschläge anderer.“
Für jeden, der gerade erst in die Selbstständigkeit startet, ist dies vielleicht der wichtigste Punkt auf dieser Liste. Der Lärm ist real und das Filtern ist eine Kunst...
"Denk wie ein Türsteher."
Jonathan Hughes, London
Jonathan Hughes, Kreativstratege und Copywriter - Wordzup
Jonathan, Entwickler kreativer Unternehmensstrategien, verwendet eine überraschende Metapher, um zu beschreiben, wie er potenzielle Kunden auswählt: „Stell dir vor, du wärst der Türsteher vor einem Club. Passt der Interessent zu mir? Hat er das nötige Budget? Warum will er das Projekt angehen? Stell Fragen, bevor du jemanden reinlässt.“
Auch seine kreativen Arbeitsstunden organisiert Jonathan auf überraschende Weise - von Roald Dahls Routine in seiner Gartenhütte. Roald Dahl, Autor vieler berühmter Kindergeschichten wie „Charlie und die Schokoladenfabrik“, soll in seiner Gartenhütte eine strenge Arbeitsroutine gehabt haben: Er arbeitete dort – fernab von jeglichen Ablenkungen – jeden Morgen zwei Stunden lang und dann noch einmal zwei Stunden am Nachmittag. Jonathan erklärt: „Ich tendiere auch in diese Richtung: Eine Routine zu finden, um fruchtbarere kreative Arbeit zu leisten, und der Einsatz von Stift und Papier ist ebenfalls ein wertvoller Teil davon.“
"Hab keine Scheu vor dem was dich anders macht."
Ling Ling Phung, London
Ling Ling Phung, Führungs- und Transformationscoach Two Lings
Ling Lings Ratschläge stehen in engem Zusammenhang mit ihrer Arbeit – schließlich lebt sie selbst das vor, was sie lehrt. Die persönlichen Geschichten, die sie in ihren Newslettern und Posts über sich erzählt, entspringen demselben Wachstumsprozess, durch den sie ihre Klienten begleitet. Ein für sie persönlich besonders wichtiger Ratschlag lautet: „Ich lebe mich voll und ganz aus und scheue mich nicht vor dem, was an mir vielleicht seltsam sein mag. Alle meine Facetten sind Teil von mir, und es gibt niemanden, der so ist wie ich“, sagt sie. „Wenn man sich selbst treu bleibt und zulässt, dass man mit seiner ganzen Person, seiner ganzen eigenen Menschlichkeit in einer Situation präsent ist, geschieht etwas Magisches: Anziehungskraft und Zusammenhalt.“
"Lass dir Zeit beim Einstellen, nicht aber beim Entlassen."
Malu Romancini, fotografiert in London
Malu Romancini, Unternehmerin, Anwältin und Business Mentorin
Malu hat bei ihren geschäftlichen Unternehmungen in ihrer Heimat Brasilien schon einiges an Erfahrung mit dem Aufbau von Teams gesammelt. „Es ist nicht einfach“, gibt sie zu. Ein Ratschlag, der sich für sie als besonders hilfreich erwiesen hat, lautet: „Lass dir Zeit beim Einstellen, nicht aber beim Entlassen. Wenn du merkst, dass jemand nicht ins Team passt, musst du schnell handeln. Eine einzige Person mit einer schlechten Einstellung kann das gesamte Team anstecken – diese Einstellung breitet sich aus, bevor man sich versieht. Man muss eine negative Arbeitseinstellung und schlechte Arbeitsmoral an der Wurzel bekämpfen, und das muss man schnell tun.“
"Kenne deine Stärken - und hol dir Hilfe für den Rest."
Laura Paget, London
Laura Paget, Personalberaterin und Gründerin Novature Solutions
Als Personalberaterin ist Lauras Ratschlag einfach, aber wirkungsvoll – denn oft neigen wir dazu, genau das Gegenteil zu tun: Wir versuchen, Dinge selbst hinzubekommen, die wir besser auslagern sollten, und bauen uns eine Art DIY Unternehmen. „Erkenne deine Schwächen und hol dir Hilfe“, sagt Laura. „Mach weniger von dem, was du nicht gut kannst, und nicht mehr alles von allem. Du hast eine Spezialisierung. Konzentriere dich darauf. Hol dir für den Rest Rat und Unterstützung.“ Ein großartiger Ratschlag, den sie von ihrem Vater bekam: „Achte auf die Bremslichter der beiden Autos vor dir – handle vorausschauend statt einfach nur zu reagieren.“ Heute wendet Laura diese Lebensweise auf ihr eigenes Business an.
"Sag ja - und lerne dann, wie es geht."
Deyan Hadzhev, London
Deyan Hadzhev, Graphic Designer
Deyans Leitgedanke stammt von dem Unternehmer-Urgestein Richard Branson selbst: „Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals einen konkreten Ratschlag erhalten zu haben, der mir bei meiner Selbständigkeit geholfen hätte – abgesehen von einem Gedanken von Richard Branson in seiner ersten Autobiografie ‚Losing My Virginity‘“, erklärt Deyan. „Der Satz, der mir im Gedächtnis geblieben ist, lautet: ‚Wenn dir jemand eine unglaubliche Chance bietet, du dir aber nicht sicher bist, ob du das schaffst, sag Ja – und lerne dann, wie es geht.‘ Dieser Satz macht mich mutiger bei meiner eigenen Arbeit."
"Löse das eigentliche Problem."
Ashley Butler, London
Ashley Butler, Berater für Digitale Medien - Xanda Digital Media
„Der beste Karriere-Rat, den ich je bekommen habe, war: Löse das eigentliche Problem, nicht das, das dir präsentiert wird“, sagt Ashley. Bevor er im Bereich digitale Medien tätig wurde, arbeitete er als Immobilienmakler; daher konnte er jahrelang seine sozialen Kompetenzen verfeinern und weiß, wovon er spricht. Oft kommen Kunden mit einer Idee, was zu tun ist. Doch wenn man sich einfach nur an diese Vorgaben hält, kommt man nicht immer auch nur annähernd an das Ergebnis heran, das der Kunde eigentlich braucht - und erwartet. Denn das eigentliche Problem liegt oft ganz woanders. Als Fachleute sind wir es, die das aufspüren müssen. „Dieser Rat hat meine Herangehensweise an meine Art zu beraten geprägt“, sagt Ashley. „Er hat mich dazu gebracht, tiefergehende Fragen zu stellen, Annahmen zu hinterfragen und mich eher auf Ergebnisse als auf Arbeitsstunden zu konzentrieren.“
“Lass deinen Umsatzmotor laufen.“
Daniel Halley, London
Daniel Halley, Strategieberater für bezahlte Onlinewerbung - Pretzel Marketing
Als Experte für die Erstellung leistungsstarker Google-Anzeigen trifft Daniel oft auf Kunden, die nach einer schnellen Lösung suchen, um ihren Umsatz anzukurbeln. Zwar kann er dabei helfen, doch weiß er gleichzeitig, wie wertvoll es ist, gar keine solche Last-Minute-Lösung zu benötigen, sondern schrittweise und konsequent eine individuelle und zuverlässige Umsatzmaschine aufzubauen, die man kontinuierlich mit neuen Impulsen versorgen kann. „Das kann verschiedene Formen annehmen – von Weiterempfehlungen über die organische Suche bis hin zur Kaltakquise“, erklärt Daniel. „Ein Netzwerk kann Teil eines Vertriebsmechanismus sein, den man jederzeit konsequent nutzen kann – so, dass dieser Mechanismus ständig in Gang ist. Sobald man diesen Motor mal am Laufen hat, kann jemand anderes für einen übernehmen. Das macht einen zukunftssicher. Außerdem zwingt es einen dazu, darüber nachzudenken, wer man als Unternehmer ist. Die Disziplin des Vertriebs erfordert Klarheit darüber, wie man sich positionieren will.“
“Hör auf, darauf zu warten, selbst zu sprechen. Höre mit deinen Ohren.”
Anna Easton, London
Anna Easton, Unternehmenscoach - Action Coach
Anfang der 2000er Jahre stand Anna vor einem Pub und unterhielt sich mit ihrem Bruder, der ihr gerade etwas erzählte. „Ich merkte, wie ich nickte und darauf wartete, selbst zu Wort zu kommen“, erinnert sie sich. „Plötzlich sagte mein Bruder: ‚Anna! Hör auf, darauf zu warten, selbst zu sprechen! Hör mit deinen Ohren zu.‘“ Diese Zurechtweisung ist ihr im Gedächtnis geblieben. „Seit diesem Moment habe ich das in jedem Gespräch so gemacht“, sagt Anna. „Ich wurde ziemlich gut darin. Später, auf einer Weihnachtsfeier der Firma, bei der ich damals arbeitete, sagte mir jemand: Du bist eine sehr aufmerksame Zuhörerin. Für mich war das das beste Kompliment und ich hab mir gedacht, daraus könnte ich ja eigentlich was machen. Und so bin ich Coach geworden.”
"Wissen allein ist nichts."
Thomas Lotter, Großbettlingen
Thomas Lotter, Baufinanzierungsberater - Lotter Baufinanz
Als jemand, der sich viel mit Business Mindset beschäftigt, teilt Thomas zwei Ratschläge, die Hand in Hand gehen: Der erste lautet: „Lerne und entwickle dich weiter: Lies Bücher, hör dir Podcasts und Hörbücher an, sauge alles in dich auf und nutze deine Zeit sinnvoll. Das hat mich bis hierher getragen.“ Der zweite Teil ist jedoch der, der leicht vergessen wird: „Man sagt, Wissen sei Macht, aber das ist völlig falsch. Nur angewandtes Wissen hat Macht. Du weißt, wie man ein Sixpack bekommt, aber es kommt auf das Tun an. Du brauchst den Mut, auf dein Wissen zu vertrauen und aktiv zu werden.“
"Du findest einen Weg. Gib nicht auf."
Mark Robson, London
Mark Robson, Präsentationsdesigner - Six Miles High
Zum Abschluss dieser Serie hier ein Ratschlag für alle, die gerade eine Phase der Überforderung durchleben – eine Situation, die den meisten von uns nur allzu vertraut ist. „Vor ein paar Jahren, als ich bei Apple arbeitete, erzählte uns ein Personalverantwortlicher von einem Projekt, an dem er gearbeitet hatte“, erzählt Präsentationsdesigner Mark. „Er sagte uns, dass er dachte, er hätte seine Grenzen erreicht, dass er nicht mehr weitermachen könne – und dann fand er neue Kraft. Damals fanden wir das alle irgendwie ziemlich lustig – dass uns ausgerechnet die Personalabteilung quasi sagte: Vergesst die Work-Life-Balance, arbeitet einfach härter! Aber seit ich mein eigenes Unternehmen führe, verstehe ich, was er eigentlich damit gemeint hat: Du schaffst das. Egal, worum es geht. Du findest einen Weg. Gib niemals auf!“
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